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Belle-Epoque-Genuss in Steckborn

«Les Salonesses» brachten die Belle Epoque nach Steckborn ins Foyer vom Turmhof

(ms) «Les Salonesses», das sind Regula Raas, Violine und Giovanna Fazio am Klavier, wussten am vergangenen Samstagabend eine längst vergangene Zeit aufleben zu lassen. Mit ihrer Musik und ihrer stilvollen Garderobe aus jener Zeit verstanden es die zwei Musikerinnen, das Publikum auf eine Zeitreise mitzunehmen, deren Stationen England, Russland, Deutschland, Spanien, Frankreich, Südamerika und Österreich waren. Ein Genuss für Ohren und Augen.

Die Belle Epoque und die Salonmusik
Die Belle Epoque, die Zeit zwischen 1880 und 1920, war eine Zeit der Erfindungen wie zum Beispiel Auto, Luftschiff, Telefon, Parfümflacon und auch eine Zeit, in der die Salonmusik Einzug hielt. In der gehobenen Gesellschaft gab es literarische Salons und musikalische Salons. Während dieser Zeit war Applaus kein Thema. Damals wurde die Musik eher als Hintergrundmusik wahrgenommen, während man sich unterhielt und Kaffee oder Tee trank. Wenn man am Samstag die Augen zur Musik schloss, fühlte man sich in jene Zeit zurückversetzt und eine Kaffeehausstimmung kam auf. Das Programm reichte von ruhig bis rassig, von schwelgerisch, sehnsüchtig bis zu mitreissend und so manche bekannte Melodie regte zum Mitsummen an. Mit den Kaffeehäusern kamen auch Tanzpaläste in Mode, wo fast ausschliesslich Walzer getanzt wurde. Doch irgendwann war es dann zu viel Walzer und so kam die Zeit der südamerikanischen Rhythmen wie Tango, Samba, Rumba und dann als Vorläufer vom Jazz auch der Ragtime. Auch diese Rhythmen gehören zum Repertoire von Regula Raas und Giovanna Fazio und das Publikum genoss es sichtlich. Nebst dem musikalischen Genuss, wusste Regula Raas zu den Musikstücken respektive deren Komponisten die eine oder andere Anekdote zu erzählen. So auch über Franz Lehár, Wunderkind mit Geige und Klavier, der während seinem Musikstudium bei Antonín Dvorák Komposition studierte. Als Dvorák zwei Kompositionen von Lehár gesehen hatte, meinte er: «Hängen Sie die Geige an den Nagel und komponieren Sie lieber.» Oder das Stück, welche das Orchester beim Untergang der Titanic gespielt haben soll, wird von abergläubischen Musikern nicht gespielt. Zum Glück fürs Publikum glauben «Les Salonesses» nicht daran und das Publikum kam in den Genuss.

Vom Duo zum Quartett
Das Publikum war begeistert von diesem Konzert und so kamen die beiden Musikerinnen nicht um Zugaben herum. Bei der ersten gings in einen Saloon im Wilden Westen und Komponist war kein geringerer als John Philip Sousa, den man eigentlich eher mit rassiger Blasmusik, als mit Saloonmusik in Verbindung bringt. Nach diesem Abstecher in den Wilden Westen gab es dann für den Heimweg mit «The Japanese Sandman» noch ein ruhiges Stück. Regula Raas bedankte sich beim zahlreich erschienenen Publikum und den Organisatoren und wies darauf hin, dass am kommenden Sonntag in der Kirche Homburg um 17.00 Uhr aus dem Duo «Les Salonesses» das Quartett «Les Salonesses» wird. Felix Lieberherr, Geschäftsführer der Stiftung Turmhof und zuständig für das Kulturprogramm, überreichte den beiden Musikerinnen Blumen und wies auf die nächste Veranstaltung hin, eine Lesung mit zwei Krimiautoren aus der Region am Samstag, 17. September 2016.

Bote vom Untersee und Rhein, 23.08.2016, www.bote-online.ch