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Der erste Kino-Abend war erfolgreich

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Anlass vom Samstag musste wegen des aufziehenden Gewittersturms abgesagt werden. Am Freitagabend jedoch war perfektes Freiluftkino-Wetter. Bei Einbruch der Dämmerung versammelte sich ein aufgeräumtes Völklein - auffallend viele Einheimische - auf dem Platz vor dem Turmhof, inmitten der verhüllten Bauten rundherum. Die Szenerie war buchstäblich einmalig, erinnerte naheliegenderweise an die Verhüllungskunst von Christo und Jeanne-Claude, und sie ist, wie jene auch, vergänglich. Denn in absehbarer Zeit werden die Baugerüste wieder verschwinden und den Blick auf ein frisch herausgeputztes Turmhof-Areal freigeben.

Doch dafür waren die Leute nicht hergekommen; Felix Lieberherr und seine Helferschar hatten im Rahmen des Kulturprogramms der Stiftung Turmhof zu zwei vielversprechenden Kino-Abenden geladen, die dem unvergesslichen Mathias Gnädinger gewidmet waren. Zur Einstimmung und in Erwartung ausreichender Dunkelheit hatte die bekannte Maskenbildnerin Bea Petri zwei Gäste aufs Podest geladen, Ursula Zanotti Gnädinger, die Lebensgefährtin von Mathias, und die Schauspielerin Suly Röthlisberger.

Ricordare Anna
Bea Petri beschrieb ausführlich die Bedeutung der "Maske", der Schminkkunst, als dramatischem Element im Dienste von Film und Theater. Mit ihren beiden Gästen liess sie Mathias Gnädinger als liebenswürdigen, bisweilen aufbrausenden Menschen und als äusserst professionell arbeitenden, unvergleichlichen Charakterdarsteller aufleben.

Der Film «Ricordare Anna»  («Anna erinnern») ist ein Werk des unlängst verstorbenen Walo Deuber. Er erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die ihre vielversprechende wissenschaftliche Karriere an den Nagel hängt, um in Sizilien als Lehrerin in einer alternativ-progressiven Schule zu arbeiten. Dem Zeitgeist entsprechend lebt sie nicht monogam, heiratet jedoch ihre grosse Liebe und bringt zwei Knaben zur Welt. Von wem sie letztlich mit HIV angesteckt wurde, was ihr und den Kindern den Tod bringt, klärt sich nicht. Klärung und Versöhnung findet jedoch Annas Vater, dargestellt von Mathias Gnädinger. Auf seiner Suche nach der Wahrheit und dem Schuldigen erscheint ihm immer wieder seine Tochter und weist ihm den Weg nach Sizilien, wo er nach Irrungen und Wirrungen seinen Schwiegersohn Salvo findet, den er bislang als Mörder seiner Tochter und seiner Enkel bezeichnet hat. Die Begegnung mit Salvo und mit einer ehemaligen Rivalin Annas bringt ihn aber zurück in die Gegenwart und lässt ihn neue Liebe erfahren.

Erstaunt hat der Umstand, dass der Film, der über weite Teile italienisch gesprochen war, ohne Untertitel über die Leinwand lief, wodurch das tolle Kino-Erlebnis in der malerischen Kulisse für nicht wenige Zuschauerinnen und Zuschauer etwas getrübt wurde.

Christoph Ullmann