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Ein Liederabend voller Sehnsüchte

Die Mezzosopranistin Aline Camenzind, begleitet am Klavier von Rosmarie Gut, im Turmhof-Foyer Steckborn

(hch) Auch im vierten Jahr richtet sich das Kulturprogramm der Stiftung Turmhof an die Steckbornerinnen und Steckborner. Beim Besuch dieser Veranstaltungen könnten die Einheimischen den Zugang zum Turmhof wieder finden, ihre Distanziertheit etwas abbauen. Darum freue es ihn, begrüsst Geschäftsführer Felix Lieberherr, das Publikum im frisch renovierten Foyer, dass so viele das Programm „Sehnsucht und Ekstase“ der Mezzosopranistin Aline Camenzind aus Steckborn und ihrer Klavierbegleiterin Rosmarie Gut aus Berlingen hören wollen.

Der Impresionist Claude Monet habe einmal gesagt, dass ein Künstler das darstellen müsse, was sich zwischen dem Objekt und dem Künstler befinde, nämlich die Schönheit der Atmosphäre, leitet Aline Camenzind den Liederabend ein. Und das gelingt ihr im ausverkauften Foyer, mit dem ersten Lied funkelt die Verbindung zwischen den Künstlerinnen und dem Publikum. Mit Gedichten von Baudelaire, Prudhomme oder Hugo vertont von Henri Duparc, Gabriel Fauré, Claude Debussy oder Georges Bizet entführt die Künstlerin die Zuhörenden ins Dort, in den Garten Eden der grossen Gefühle, erzählt von der tiefen Leidenschaft, der Ekstase, von einem Ort, in dem der Fluss fliesst, die Wolken gleiten, „der Wind in den Ebenen den Atem anhält“, die Liebe frei von Pflichten ist. Sie beschwört das Herz zart, „auf einer bleichen Lilie einzuschlafen“, um dann stimmgewaltig das Aufwachen aus dem Traum zu bereuen. Ihre warme Stimme hüllt ein, ihre Mimik und Gestik verdeutlichen die traumhaften Sehnsüchte, machen sie fühlbar, erreichbar. Dann ändert sich die Atmosphäre, das Programm geht zurück zu den Anfängen der Liederabende, zu den Vertonungen von Mozart, Schubert, Schumann und Brahms.

Klangliche Gemälde

Aline Camenzind lässt ihr schauspielerisches Talent aufblitzen, als sie das Leiden von Goethes „Veilchen“, von Mozart mit Witz und Schalk vertont, erzählt, die Zuhörenden zu lautem Lachen animiert. Oder mit den Gedichten der Romantiker Schulze, Hölty oder Eichendorff, in denen die Naturverbundenheit die Empfindsamkeit des Individuums symbolisiert, präsentiert die Mezzosopranistin den Zuhörenden eine pastorale Zeit voller Schönheit und erfüllter Sehnsüchte.
Aline Camenzind bringt vieles unter einen Hut, neben ihrer Konzerttätigkeit unterrichtet sie als Gesangspädagogin an der Musikschule Weinfelden und in ihrem „Studio für Stimme“ in Steckborn, am SingStimmzentrum Zürich arbeitet sie als Logopädin mit Menschen, die ihre Störungen der Stimme behandeln möchten. An diesem Liederabend harmonisieren ihr Gesang und die Klavierbegleitung virtuos. In einzelnen Liedern ist Rosmarie Guts Begleitung untermalend, wie ein Echo der gesungenen Worte, in anderen bekommt das Klavier eine eigene Stimme, erzählt eine eigene Version, erweitert das Spektrum. Rosmarie Gut ist eine erfahrene Begleiterin, sie unterrichtet am Konservatorium Winterthur, tritt mit dem Winterthurer Kammerchor auf und arbeitet als Korrepetitorin an der Zürcher Hochschule der Künste mit Sängern und Instrumentalistinnen. Gemeinsam gestalten die beiden Künstlerinnen mit ihrer Musik im Foyer Turmhof klangliche Gemälde, erzählen spassige Geschichten, verdeutlichen tief empfundene Gefühle. Sie schaffen eine Atmosphäre, in der sich das Publikum wohlfühlt, mehr hören möchte, sich Zugabe um Zugabe bis zur letzten „Tarantella“ erklatscht.