Aktuelles

Eine Musik, die begeisterte

Das «Trio Athos – zwei Celli und ein Flügel» konzertierte mit grossem Erfolg im Foyer des Steckborner Turmhofs

(jo) Wenn der grosse, sich am See majestätisch erhebende Turmhof, Wahrzeichen Steckborns, reden könnte – er wüsste viel zu erzählen: Von den Menschen, ihren Freuden und Sorgen, Wandel und Kontinuität im Laufe einer 736-jährigen Geschichte. Mit Sicherheit würde er zu den schönen und bereichernden Erlebnissen das Konzert am Samstag mit dem «Trio Athos – zwei Celli und ein Flügel» im Foyer dazu zählen, das zudem den letzten Akkord der festlichen Einweihung des Turmhofs gesetzt hatte.

Giovanna Fazio am Flügel – wer in Steckborn und auch der Umgebung würde sie nicht als hervorragende Pianistin kennen? Die beiden Celli wurden von den Brüdern Jakob und Johannes Herzog gespielt. Ort: das Foyer. Ein Konzert auf hohem Niveau, getragen von der Liebe zur Musik. Einem in sich in die Musik hineinfühlen und hineindenken. Schon mit den ersten Tönen hatten die drei Musizierenden das Publikum für sich begeistert und gewonnen. Kein Wunder. Das Programm war so etwas wie eine Zeitreise durch die Musikgeschichte. Angefangen mit dem Barock. Während Antonio Vivaldi (1678–1741), von dem das Allegro aus dem «Conterto g-moll RV 531» gespielt wurde – hinreissend die heitere Lebendigkeit und das Tempo dieses Satzes – waren die drei zuerst gespielten Komponisten Martin Berteau (1691–1771), Benedetto Marcello (1686–1739) und Giovanni Benedetto Platti (1697–1763) eher unbekannt, aber kamen sehr gut an. Martin Berteau begeistere durch seinen schwungvollen Beginn seiner Senata op. 1. Nr. 6, der förmlich als eine Einladung zum Mitmachen dazu einlud, sich in die Musik hineinzuversetzen.

Das Spiel selbst: geschmeidig, leicht, locker, absolut überzeugend gespielt – ein sehr gelungener Beginn, der nicht nur Freude machte, sondern auch die Freude auf das gesamte Konzert insgesamt weckte. Von Giovanni Benedetto Platti wusste Jakob Herzog, der durch das Programm führte, zu berichten, dass er frühzeitig Italien verlassen hatte und nach Würzburg gegangen war, aber auch die italienische Musik durch seine Kunst in Deutschland verbreitete.

Romantik und Moderne
Nach der Pause war die Musik mit Robert Schumann (1810–1856) und Felix Mendelssohn (1809–1847) nicht nur in der Romantik angekommen, auch die Brüder traten einzeln als Solisten hervor: Jakob Herzog spielte mit der Begleitung von Giovanna Fazio von Robert Schumann, Fantasiestücke op. 73 Nr. 1 für Violoncello und Klavier und Bruder Johannes von Mendelssohn «Lied ohne Worte». Lied ohne Worte? Das erscheint im ersten Moment ein Widerspruch in sich zu sein – aber es sollte sich als eine schöne, sehr melodische-frische Komposition herausstellen. Mit Werken von Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) und Anton von Webern (1883–1945) gelang den Musizierenden Johannes Herzog und Giovanna Faszio ein gelungener Sprung in die Moderne.

Höhepunkt und Abschluss zugleich (bis auf zwei Zugaben) aber sollte das Werk von Astor Piazzolla (1921–1992), für zwei Violoncelli und Klavier von Giovanna Fazio werden: ein «Gewitter an Tönen», rasend schnell, hier konnte insbesondere die Pianistin ihr volles Können ausspielen, aber auch die Brüder Herzog zeigten, was aus dem Cello herausgeholt werden kann. Fantastisch. Dieser erste Konzertabend im Foyer und dem neu eingeweihten Turmhof wird mit zu den Höhepunkten des musikalischen Lebens in Steckborn gehören.