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Plötzlich Deutsch – amüsant mit ernstem Hintergrund

Openair-Kino beim Turmhof Steckborn

(jo) Schweizer und Deutsche – das ist ein Kapitel für sich und wenn dann auch noch Schweizer Dialekt und deutsche Sprache aufeinander prallen, wird es ernst. Um Konflikte, aber auch Gemeinsamkeiten und natürlich auch um eine Liebesbeziehung zwischen dem Schweizer Feuerwehrhauptmann Hans Ziegler und der deutschen Serviertochter Manuela geht es im Openair-Kino-Film «Plötzlich Deutsch». Sicher, der Film überzeichnet an manchen Stellen die Problematik – aber das Publikum amüsiert sich, lacht und schmunzelt, aber eine Nachdenklichkeit bleibt nicht aus: Spiegeln wir uns nicht alle in den Personen dieses Films? Sogar ein kleiner Hund ist angesteckt: alles was Deutsch ist, wird angekläfft. Eingeladen zu diesem Filmabend am Samstag sowie am Freitag zu «Nebelgrind», ein Film zur Demenzproblematik, hatte das Kulturprogramm der Stiftung Turmhof, Geschäftsführer Felix Lieberherr.

Fiktion oder Realität
Alles, was auch nur entfernt nach «Deutsch» aussah, roch für den Feuerwehrmann nach «Schwefel.» Wurde vehement abgelehnt. Übertrieben? In Gesprächen während der Pause mit Zuschauern, betonten zwar alle den witzigen Charakter des Films, der ihnen viel Spass machen würde, meinten andererseits aber durchaus, dass die Probleme in der Wirklichkeit nicht so stark aussehen würden. Es gab jedoch einen Zuschauer, der beide Seiten kannte: Er habe, erzählte er, 20 Jahre in Deutschland gelebt, danach 26 Jahre in der Schweiz, die ihm zur Heimat geworden sei. Er wisse aber auch, dass die Spannungen, zum Beispiel in Zürich in Gegenden wo sehr viele Deutsche zusammen lebten, genauso stark seien, wie im Film gezeigt.

Vorurteile überwinden
Die grosse Frage war natürlich: Könnte Hans Ziegler seine Vorurteile allem Deutschen gegenüber abbauen, als Manuela aus Versehen beim Staubwischen einen Pokal von oben herab auf seinen Kopf fallen lässt? Er wacht im Spital auf und kann plötzlich nur noch Deutsch sprechen und das ausgerechtet auch noch im Berliner Dialekt und – bemerkt es zunächst gar nicht. Beschliesst, kein Wort mehr zu sagen. Stiftet aber sehr viel Unruhe in dem kleinen Dorf und unter Feuerwehrkollegen. Natürlich fliegt die sprachliche Veränderung auf und nun muss Hans Ziegler eine schlimme Erfahrung machen: Er gilt jetzt, wo er keinen Schweizer Dialekt mehr spricht, als Deutscher, wird mit den Farben (Schwarz-Rot-Gold) eingesprüht, wird verachtet, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, soll verschwinden. Seine Kameraden beginnen, sich von ihm abzuwenden. Dabei müsste intensiv für einen Wettkampf mit den deutschen Kameraden geprobt werden. Wenn da nicht Manuela wäre, die sich in ihn verliebt hat und ihm geht es auch nicht besser. Als dann noch seine Sprache zurückkehrt, führt sie auf den richtigen Weg, das Deutsche und die Deutschen anzuerkennen und er sorgt heimlich dafür, dass die Deutschen den Wettbewerb gewinnen. Vorurteile lassen sich doch abbauen.

Bote vom Untersee und Rhein, 12.07.2016, www.bote-online.ch