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Weltpremiere im Tatort-Turmhof

Lesung mit Daniel Badraun, Schlattingen, und Matthias Moor, Konstanz, im Foyer des Turmhofs Steckborn

(ms) Zum Tatort Turmhof am Samstag kamen einige Krimifans direkt vom scharfen Süppchen, das Marianne Sax gekocht und im Haus zur Glocke angeboten hatte. Schon vor dem Turmhof kamen dann die Besucher in den Genuss einer passenden Lichtinstallation von Veronika Dierauer welche das Thema des Abends sinnvoll «beleuchtete». Die beiden Autoren Daniel Badraun, Lehrer aus Schlattingen und Matthias Moor, Lehrer aus Konstanz, haben sich beide dem Krimi «verschrieben» und waren letztes Jahr vom Südkurier, zum Thema «Unterschiede/Gemeinsamkeiten – Deutschland/Schweiz» angefragt worden, ihre Sicht darzulegen. Dieser Umstand und der «gemeinsame See» waren der Auslöser, auch mal eine gemeinsame Lesung zu veranstalten.

Ist ein Krimi auch Literatur oder nicht? Für das Literaturhaus in Gottlieben nicht, zum Glück für den Turmhof schon. Eine humorvolle Antwort auf diese Frage hatte Matthias Moor, «Literatur ist das, was alle gut finden aber keiner liest. Krimi ist das, was niemand gut findet, aber alle lesen ihn doch.» Krimi ist Lesestoff in verständlicher Sprache und es lassen sich auch durchaus gesellschaftskritische, respektiv politische Themen gut einbringen.

Matthias Moor und sein «Geistersee»

Matthias Moor hat bis jetzt drei Kriminalromane geschrieben in deren Titel jeweils «see» vorkommt nämlich «Finstersee», «Flammensee» und «Geistersee», die logischerweise auch an Teilen vom Bodensee spielen. Mit Ausschnitten aus seinem neusten Werk «Geistersee» fesselte er die Zuhörer. Mit seiner genauen und bildhaften Sprache verstand er es, die Zuhörer an den Ort der Handlung zu entführen. Man spürte die Nebelschwaden auf dem See und auch der Wachskopf, den der Hauptakteur auspackte, wurde beinahe lebendig. Das Buch ist nebst der eigentlichen Geschichte auch aus der Perspektive von drei Protagonisten erzählt, nämlich vom Archäologen Alexander Stetten, seiner Lebensgefährtin und vom Privatdetektiv Martin Schwarz. Wie es sich für eine Lesung gehört, erhöhte Matthias Moor bei den Zuhörern die Spannung, um dann abrupt zu enden, so dass die Lust aufs selber Lesen entstand. Matthias Moor schreibt aus Liebe zum See zu dieser wunderbaren Gegend und auch ein Schuss Psychologie darf bei ihm nicht fehlen. Sei es zum Beispiel die etwas sonderbare Lebensgeschichte von Privatdetektiv Martin Schwarz. Er sammelt zuerst Figuren, denen er eine Identität gibt, bevor er sie dann in einem Krimi vereint. Zu Beginn stehe die Handlung erst etwa bis zur Buchmitte fest, die andere Hälfte ergebe sich während dem Schreiben, dann spontan und situationsbedingt. Er schreibt drei bis vier Wochen, um dann eine Pause einzulegen. Zuerst liest seine Ehefrau die Geschichte später dann Freunde und nach jedem Feedback folgt eine Überarbeitung bevor ihn dann am Schluss seine Agentin bekommt.

Daniel Badraun und sein «Schwarzmost»

Eine besondere Delikatesse hatte Daniel Badraun auf Lager. Zum ersten Mal las er aus seinem neusten Werk «Schwarzmost» das Mitte Oktober auf den Markt kommt. Also eine Weltpremiere für das Publikum im Turmhof. Er versteht es mit kurzen, prägnanten Sätzen, sowie mit Wortwitz die Spannung zu lockern. Zudem bezeichnet er seine Krimis als vegetarisch, «da in meinen Krimis nicht so viel Blut fliesst!» Daniel Badraun schreibt für zwei Verlage und hat auch zwei Ermittler, zum einen Claudio Mettler zum andern Gaudenz Huber. Wobei Claudio Mettler eher für die humorvollere Krimireihe ermittelt. Daniel Badraun versteht es aus alltäglichen Situationen und Begebenheiten mit Augenzwinkern auch mal der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Im Gegensatz zu Matthias Moor schreibt er seine Krimis «am Stück» und hat dann Phasen wo er schreibt und solche wo er schreiben sollte. Er macht wenige Recherchen und schöpft aus seinem Fundus. Für «Schwarzmost» war er acht Wochen während seines Bildungsurlaubs auf der Pressestelle bei der Kantonspolizei Thurgau. «Schwarzmost» ist nebst dem Titel auch ein gefährliches Naturereignis wenn man sich der Gefahr nicht bewusst ist. Das merkt auch Gemeindepolizist Claudio Mettler aus dem Engadin in einem unachtsamen Augenblick und nur dank seiner Erfahrung kann er sich noch in Sicherheit bringen. Seine Ehefrau aus dem Thurgau ist des langen Winters überdrüssig und schwärmt von den saftigen und blühenden Wiesen am Bodensee. Ein immer wieder kehrendes Thema am Familientisch. Aus diesem Trott reisst der Autor die Familie mit ein paar scheinbar nicht zusammenhängenden Situationen und schon geht es ab in den Thurgau. Dieser Roman ist auch eine Art Kulissenwechsel für Daniel Badraun der damit den Schritt vom Engadin an den Bodensee, respektiv in den Thurgau mit seinen Figuren wagt.

Das Publikum war von den Werken der beiden Autoren und der Lichtinstallation von Veronika Dierauer begeistert und so manches Buch wurde gekauft und von den Autoren auf Wunsch signiert. Ein Krimiabend nach dem man sich ohne Furcht auf den Heimweg in die dunkle Nacht machen konnte.

Bericht: Bote vom Untersee und Rhein, www.bote-online.ch